KFZ-Technikermeisterin Sarah

KFZ-Technikermeisterin Sarah

Sarahs Geschichte zeigt eindrucksvoll die Herausforderungen, denen Frauen im technischen Handwerk täglich begegnen. Trotz Meistertitel und Kompetenz stoßen viele Frauen auf Vorurteile, fehlende Aufstiegschancen und strukturelle Hürden. In diesem Beitrag erfährst du, warum es für Frauen so schwer ist, Führungserfahrung zu sammeln, wie inoffizielle Leitungsfunktionen oft übersehen werden und was nötig ist, um echte Gleichberechtigung im Kfz-Handwerk zu erreichen.

Vom Regen in die Traufe

Es ist nun über 2 Jahre her, dass ich meine Geschichte bzw. von meinem beruflichen Werdegang erzählt habe. Damals habe ich den Bericht unter einer gewissen Aggression geschrieben. Doch wie sieht es heute aus?

Sagen wir es so, man kann Menschen nun mal nicht ändern, aber man kann lernen, mit Situationen anders umzugehen. Schließlich kann man „sie nicht alle töten“. Aber ich bin müde, müde vom beweisen und kämpfen. Manch einer sagt, man muss sich nicht beweisen und wenn man zu verbissen ist, gibt es kein Erfolg oder man steht sich selber im Weg… Das mag vielleicht sein, aber ich sehe es nicht ein mir etwas gefallen zu lassen. Und ich will, dass sich in der Gesellschaft etwas ändert!

Warum wird man mit Absicht geärgert oder auf die Palme gebracht?

Warum sollte ICH mein Verhalten ändern und nicht der oder die so etwas mit Freude tut?

Warum werden die Leute zum Schweigen gebracht, bestraft oder zum Außenseiter gemacht, die ihren Mund aufmachen?!

Wie kann es sein, dass ich nach 7 Jahren mit einem Meistertitel immer noch keine derartige Position habe? Warum steigen meine männlichen Kollegen, die teilweise jünger sind und weniger Erfahrung haben auf? Liegt es wirklich daran, dass ich eine Frau bin? Zumindest bezweifle ich, dass es an meiner Leistung liegt. Nicht nur, weil ich Lob bekomme, sondern weil ich meinen Job gerne und gut mache. Und dennoch sehe ich über all die Jahre keinen wirklichen Fortschritt in meiner Karriere.

Bei jeder Bewerbung werde ich gefragt, ob ich Führungserfahrung habe… wie soll ich so etwas erlangen, wenn ich eine solche Position nicht erhalte? Warum wird davon ausgegangen, dass Männer das besser können und wenn nicht sie das schon irgendwie erlernen. Warum bekomme ich oder wir Frauen generell nicht die Chance dazu?

KFZ-Technikermeisterin Sarah Dittmar
Sarah mit Ihrem VW Jetta

Mach einer wird sagen, da gibt es doch die Frauenquote. Ja, das stimmt zwar und wird in den meisten großen Firmen auch angewendet, aber das bedeutet nicht gleich, dass jede Frau eine Chance auf ihren Berufswunsch so wie eine bestimmte Position bekommt. Abgesehen davon ist das ein anderes Thema.

Fragen über Fragen… was bleibt ist die Verunsicherung. 

Nach einem Jahr in einer Markenwerkstatt (ohne Meistertätigkeit) ging ich wieder in die Fahrzeugentwicklung. Dort habe ich mir die Position einer Werkstattleiterin quasi erarbeitet. Das stand zwar so auf keinem Papier, aber ich wurde mit der Werkstattplanung und den Mitarbeiten beauftragt. Die Freude der Kollegen war nicht sonderlich groß. Was ich zum einen zwar verstehen kann, aber zum anderen habe ich auch etwas dafür getan und wurde mit Sicherheit nicht ohne Grund damit beauftragt.

 Jetzt wird es ein wenig kompliziert… Meine Firma wurde von einer anderen Firma unter beauftragt, doch das sogenannte Projekt ist ausgelaufen und ein anderer Dienstleister hat es übernommen. Wirklich viel Mitspracherecht und Informationen gab es kaum, doch der Hammer kommt erst noch. Als ich aus meinem Urlaub zurückkam hieß es, die Planung läuft jetzt über den neuen Dienstleister… Nun stehe ich erneut am Anfang und habe schön langsam keine Lust mehr.  Mittlerweile sehe ich auch keine andere Möglichkeit mehr als mich selbständig zu machen. Wir werden sehen und ihr vielleicht auch lesen.

Ich will auch nicht immer und immer wieder auf diesem Thema rumreiten oder sagen, dass es am Geschlecht liegt, doch woran liegt es? Seid ihr bereit euch zu hinterfragen und nicht die Schuld auf andere zu schieben? Ich bin es! Deswegen befinde ich mich vielleicht auch in einem Dilemma. Weil ich nicht zuerst denke, der Gegenüber ist schuld oder das Problem. Aber ich lasse mir nicht einreden, das Problem zu sein. Erst Recht nicht, wenn die Leistung stimmt!

Ein Wandel in der Gesellschaft ist spürbar, doch so offen und quer wie sie sich gibt ist sie nun mal nicht und natürlich dauert so etwas auch. Doch will ich mich damit nicht zufriedengeben. Ich will aufzeigen wie es wirklich ist und ja vielleicht haben andere Frauen mehr Glück und das freut mich wirklich sehr, aber solange auch nur eine von uns kämpfen muss sind wir nicht am Ziel.

Ich wünschte mehr Frauen würden ihren beschwerlichen Weg offen legen, damit Firmen sehen, was sie besser machen können, Eltern die Wünsche ihrer Kinder berücksichtigen und unterstützen, auch wenn sie etwas anderes „vorgesehen“ haben und Männer die Augen geöffnet werden! Ein Appell an euch:

Gebt Menschen (in diesem Fall spezielle den FRAUEN) die Chance zu zeigen, was sie gerne machen und können. Unabhängig davon, was ihr darüber vielleicht denkt.

Ich möchte wirklich etwas verändern, doch auch ich bin müde geworden. Ich möchte aufklären, ich will, dass Frauen sich trauen ins Handwerk zu gehen, doch auch auf meine starken Bemühungen bei z.B. der Stadt München, bei der Innung und der Handwerkskammer kam leider nahezu nichts in Bewegung. ich halte gerne Vorträge, oder noch besser, zeige Frauen oder Mädchen, wieviel Spaß dieser Beruf machen kann, aber gebt mir doch auch bitte die Chance dazu.

Eure KFZ-Technikermeisterin Sarah

Deine Fragen – unsere Antworten

Welche Herausforderungen gibt es für Frauen im Kfz-Handwerk?

Frauen im Handwerk – besonders im technischen Bereich wie Kfz – stehen oft vor strukturellen Hürden: fehlende Vorbilder, Vorurteile im Berufsalltag und weniger Aufstiegsmöglichkeiten. Trotz Qualifikation, Erfahrung und Engagement erhalten sie seltener Führungspositionen oder stoßen bei Vorgesetzten und Kollegen auf Widerstand.

Warum sprechen so wenige Frauen offen über die Hindernisse in ihrem Berufsleben?

Viele Frauen scheuen sich, offen über Diskriminierung, Ungleichbehandlung oder mangelnde Förderung zu sprechen, aus Angst vor beruflichen Konsequenzen oder dem Vorwurf, sich „etwas einzubilden“. Sarah zeigt, wie wichtig es ist, diese Erfahrungen öffentlich sichtbar zu machen, um gesellschaftliche Veränderungen anzustoßen.

Was bedeutet es, wenn Frauen Verantwortung übernehmen, ohne offizielle Anerkennung?

Wie bei Sarah im Beispiel der „inoffiziellen Werkstattleitung“ übernehmen Frauen oft Aufgaben, Verantwortung und Leitung – ohne vertragliche oder finanzielle Aufwertung. Das zeigt: Engagement und Kompetenz werden anerkannt, aber zu selten gleichwertig belohnt.

Warum ist es für Frauen schwer, Führungserfahrung zu sammeln?

Viele Bewerbungsprozesse fragen nach vorhandener Führungserfahrung – geben Frauen aber vorher zu selten die Gelegenheit, diese in der Praxis aufzubauen. Männer werden oft schneller mit Führung bedacht, auch ohne messbare Eignung oder längere Berufserfahrung. Ein echter Teufelskreis.

Gibt es Unterschiede in der Karriereentwicklung von Frauen und Männern im Handwerk?

Ja. Selbst bei gleicher Qualifikation (z. B. einem erfolgreich abgeschlossenen Meistertitel) machen Männer oft schneller Karriere. Das liegt nicht zwangsläufig an der Leistung, sondern an strukturellen Vorannahmen über Führungsstärke, Commitment oder Durchsetzungsfähigkeit.

Welche Rolle spielen Politik, Kammern und Verbände beim Wandel im Handwerk?

Organisationen wie Handwerkskammern, Innungen oder städtische Einrichtungen haben großen Einfluss auf Ausbildungswege, Öffentlichkeitsarbeit und Förderung. Sarahs Erfahrung zeigt aber, dass Engagement und Ideen von Frauen oft ins Leere laufen, wenn diese Institutionen nicht aktiv zuhören oder ihre Strukturen anpassen.

Was kann getan werden, um mehr Frauen ins Handwerk zu bringen?

• Sichtbarkeit schaffen durch echte Geschichten – wie die von Sarah
• Mädchen und junge Frauen aktiv für Technikberufe begeistern
• Förderprogramme ernst nehmen und gezielt bewerben
• Führung nicht nur „vergeben“, sondern nachhaltig begleiten
• Männer aktiv mit einbeziehen und Vorurteile abbauen

Warum ist Sarahs Geschichte wichtig?

Sarah ist eine ausgebildete und erfahrene Kfz-Meisterin, die ihre Stimme erhebt, um zu zeigen, was viele nicht sehen wollen oder dürfen: dass Qualifikation manchmal nicht ausreicht, wenn System und Haltung gegen einen arbeiten. Ihr offener Bericht macht Mut – und zeigt, dass Veränderung echte Menschen braucht, die unbequem bleiben.

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